Schnelle Flitzer für die Rennbahn

PNP stellt die schönsten Oldtimer vor: Armin Voggenreiter aus Triftern sammelt alte Bahnsport-Motorräder

Christiane Vogl 07.09.2020 | Stand 06.09.2020, 20:20 Uhr

Schnelle Flitzer für die Rennbahn Pressebericht PNP vom 06-09-2020

Besitzt mittlerweile 20 alte Motorräder: Armin Voggenreiter (56) hat eine Schwäche für die schnellen Zweiräder und sammelt sie bereits seit über 35 Jahren. −Fotos: Vogl/Red

Triftern. Wer denkt, dass auf einer Trabrennbahn nur Pferde ihre Geschwindigkeit unter Beweis stellen können, täuscht sich. Denn hier auf dem sandigen Untergrund zogen auch Motorräder beim sogenannten Bahnsport ihre Runden. Und das sogar auf besonderen Gefährten, welche die Fahrer extra für diesen Sport zusammensetzten.

Begeisterung für Bahnsport war immer da. Dass Armin Voggenreiter Motorräder liebt, ist bereits vor seiner Bäckerei in Triftern erkennbar: Hier ziert eine selbst zusammengebaute alte Maschine als Dekoration den Schuppen, in dem weitere Zweiräder des 56-Jährigen beherbergt sind. Sorgfältig davor aufgestellt sind drei besondere Modelle, die sich in ihrem Äußeren deutlich von anderen Motorrädern unterscheiden: Kein Tacho, keine Bremsen, kein Getriebe und eine leichte und dünne Verkleidung sind Besonderheiten, die sofort ins Auge stechen.

Schnelle Flitzer für die Rennbahn Pressebericht PNP vom 06-09-2020

Passend zum Job ziert die Brezel das klassische Sandbahn-Gefährt.

Doch hierbei handelt es sich nicht etwa um Restaurations-Fehler, denn diese Gefährte hatten nur eine einzige Aufgabe: schnell sein. Um diese zu erfüllen, wurden sie beim sogenannten Bahnsport eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine besondere Form des Motorradsports , bei der entweder auf kurzer oder langer Bahn auf einer ovalen Strecke gefahren wird.

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Optimal für die Rennbahn: Der gebogene Lenker ist typisch für die Vorkriegszeit.

Was die Zweiräder für diesen Sport besonders macht, erklärt Armin Voggenreiter, der schon lange eine Schwäche für diesen Sport hat: "Die Motorräder hatte damals jeder selber zusammengestellt. Je geschickter so eine Maschine zusammengebaut wurde, desto besser ist sie auch gefahren. Deshalb war es wichtig, gute Einzelteile zu verwenden."

Gute Einzelteile finden sich auch bei seinen Maschinen, auf die der gelernte Bäcker sichtlich stolz ist. Bei seinem Lieblingsstück handelt es sich um die knallrote Bergsteiger aus dem Jahr 1929. Sie könnte so einiges erzählen, denn auf der Rennbahn hat sie bereits viel erlebt: "Sie gehörte einst dem Niederbayer Karl Marxreiter, der mit ihr sogar im Jahr 1949/50 deutscher Meister wurde. Auch auf der Pfarrkirchner Trabrennbahn war sie schon unterwegs", erzählt Voggenreiter, der sich gern über die Geschichte des Bahnsports informiert. Das erste mal erblickt hatte er die Maschine sie in einem Museum am Attersee.

Auf Anhieb gewann sie seine Aufmerksamkeit und für den 56-Jährigen stand fest: "So eine wollte ich schon immer haben." Wie der Zufall es will, machte ihn ein Freund darauf aufmerksam als sie letztlich zum Verkauf stand. So landete sie bei Voggenreiters Schätzen, und ist bei dem Motorrad-Liebhaber in guten Händen.

Ihr roter Rahmen ist extra für den Bahnsport gebaut worden, auch beim Motor handelt es sich für damalige Zeiten um ein besonderes Exemplar: "Hier ist ein Rudge-Motor eingebaut, welcher damals der schnellste erhältliche Motor war, weil die Vierventiltechnik den meisten anderen Rennmotoren überlegen war."

"Der Lenker ist typisch für die Vorkriegszeit, denn dieser wurde damals noch gebogen, um ihn passend für seinen Fahrer einzustellen", wie Voggenreiter weiß. Allerdings ist sie ohne zusätzliche Verstärkungsrohre, hat aber die damals übliche Trapezgabel mit dem einstellbaren Reibungs- Lenkungsdämpfer.

Selber gefahren ist er die Maschine noch nie, was allerdings ohne Bremsen auch mit einigen Risiken verbunden wäre. "Jedoch habe ich die Erlaubnis meiner Frau, sie ins Wohnzimmer zu stellen", lacht Voggenreiter. Das wäre nicht einmal zum Leidwesen seiner Gattin, denn auch sie teilt seine Leidenschaft und unternimmt mit ihrem Mann gerne gemeinsame Touren. Zum Fahren eignen sich seine Rennmaschinen jedoch weniger, auch aufgrund ihrer fehlenden Ausstattung. "Es braucht gute Nachbarn, die das mitmachen, weil die Motorräder keinen Schalldämpfer besitzen", lacht er.

Neben dem roten Flitzer steht eine blaue Maschine, bei der es sich um ein klassisches Motorrad für die Sandbahn handelt. Die Brezel, die auf dem Rahmen klebt, fällt gleich auf. "Der Aufkleber ist damals noch von unseren Lieferwägen übrig geblieben und da dachte ich mir, es ist ja passend zum Beruf", schmunzelt der Familienvater. An der Federung erkenne man, ob es sich um eine Maschine für die Lang- oder Kurzbahn handelt. Denn besitzt das Rennrad keine, sei sie für die Kurzbahn geschaffen.

Dass er so viel über seine Motorräder weiß, liege daran, dass er gerne über den Sport lese und so viel über die lokalen Fahrer erfahre. So konnte er bereits einige Fahrer treffen, die ihm dann mehr über den Sport und ihre Karriere erzählten. "Das ist dann meistens ein Türöffner, um an neue Maschinen zu kommen oder mehr über die Geschichte in der Region zu erfahren."

Erste Maschine auf dem Schrottplatz gefunden. Dass sich bei dem gelernten Bäcker eine Liebe für Motorräder und den Rennsport entwickelt zeichnete sich schon früh ab: Mit 13 Jahren entdeckte er seine erste Maschine auf einem Schrottplatz in Anzenkirchen. Es handelte sich um ein Mofa der Marke DKW, welches er bei einem Nachbarn schweißen und wieder herrichten durfte. Schon damals fuhr er – zwar unerlaubter Weise – einige Runden und wurde gleich Feuer und Flamme.

Die Liebe für das Schrauben und Basteln kam erst mit 19, hält sich aber bis heute: "Ich sammle nun schon seit 35 Jahren Motorräder und baue auch gerne selber welche zusammen oder gestalte sie um", sagt er, während er die Maschinen in seinem Schuppen präsentiert. Hier stehen einige umgebaute Motorräder, die durch ihre besondere Gestaltung auffallen, wie eine alte BMW aus den 70ern, die durch ihre knalligen Farben auffällt. Doch da im kleinen Schuppen schon lange kein Platz mehr für die Sammlerei des 56-Jährigen ist, hat er sich mit Freunden eine Halle gemietet, um dort weitere Schätze unterzubringen. Mittlerweile besitzt er 20 alte Maschinen, die der Trifterner hegt und pflegt. Auf die Frage, ob er seine Motorräder wieder hergeben würde, um so Platz zu schaffen, antwortet er ganz klar: "Vermutlich kann man die Rennmaschinen gar nicht leicht verkaufen, aber das würde ich auch nie."

Christiane Vogl

 

 

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