In der Familie geblieben

PNP stellt die schönsten Oldtimer vor: Hermann Reitberger restauriert Zweiräder

26.04.2021 | Stand 25.04.2021, 19:11 Uhr

In der Familie geblieben
Das Mofa Hercules Cb1 (links) stammt noch von Hermann Reitbergers Mutter, das Moped Diva-Luxus von Göricke fand sein Vater durch Zufall auf dem Sperrmüll. Nach vielen Jahren hat Reitberger sie nun restauriert. −Fotos: Stewart

Pfarrkirchen. Stolz ist Hermann Reitberger auf seine zwei selbst restaurierten Zweiräder. Sie waren schon früher Teil der Familie, gerieten aber in Vergessenheit. Durch Zufall fand der 36-Jährige aus Lanzing heraus, dass sie noch existieren und hat sich zugleich ans Werk gemacht. Jetzt sind die kleine orangefarbene Hercules Cb1 und die Diva-Luxus von Göricke wieder fahrbereit.

Moped auf dem Sperrmüll gefunden

"Die Göricke mit 1,25 PS stammt noch von meinem Vater", erzählt Reitberger. "Er hat damals auf einer Baustelle bei Wacker gearbeitet, und ein Arbeiter kam immer mit diesem Moped angefahren. Als er dann später auf einer Baustelle bei Raitenhaslach war, sah er ebendieses Moped auf einem Haufen Sperrmüll liegen. Da hat er gefragt, ob er es mitnehmen könne."

In der Familie geblieben
Mit Käfern ist Hermann Reitberger aufgewachsen. So hat er sich 2016 seinen Traum erfüllt und einen Käfer aus dem Jahr 1972 gekauft.

Zuletzt zugelassen war die Göricke im Jahr 1974. Seither stand sie viele Jahre unbenutzt in der Garage. 2012 begann Reitberger mit der Restauration, 2018 war er damit fertig. "Ich habe das Moped in alle Einzelteile zerlegt und neu zusammengesetzt. Da wir zur gleichen Zeit unser Haus gebaut haben, musste ich zwischendrin immer ein wenig pausieren." Besonders freut es ihn, dass er alle originalen Teile wiederverwenden konnte, denn heute finde man kaum noch Ersatz. "Nur die Felgen und die Speichen sind neu, die Treter muss ich auch noch auswechseln."

Die orangefarbene Hercules Cb1 mit 1,4 PS aus dem Jahr 1973 gehörte in früheren Jahren seiner Mutter. "Sie nutzte sie, um nach Pfarrkirchen in die Arbeit zu fahren", erzählt Reitberger. Da das kleine Mofa aber nicht gut ging und die Mutter etwas unzufrieden damit war, wurde das Campingmofa eingelagert. "Mein Onkel meinte eines Tages, ob ich nicht Interesse daran hätte. Ich war sehr überrascht, weil ich gar nicht wusste, dass die Hercules noch existiert." So nahm er das Mofa sehr gerne zurück. 2016 hat Reitberger dann begonnen, es herzurichten. "Das Mofa ist aber noch in Originalzustand, nichts musste bisher neu lackiert werden. Sie steht noch so da, wie sie im Jahr 1973 gebaut wurde."

Ein Freund für alte Fahrzeuge war der gelernte Heilerziehungspfleger schon immer. "Ich bin mit einem Käfer aufgewachsen, und wenn dieser weg war, dann kam der nächste." Nachdem der letzte verkauft war, merkte Reitberger, dass ihm etwas fehlte. So kaufte er sich 2016 selbst einen Käfer 1303 für die Familie, den sie heute von Frühjahr bis Herbst als Alltagsauto benutzen. Der Wagen aus dem Jahr 1972 hat 44 PS. "Er ist einfach besonders, unser ein und alles. Die Begeisterung für Käfer sind auch der Schlüssel zu meiner allgemeinen Liebe zu Oldtimern."

Eben dieser bot dann den Anlass, Mitglied bei den Oldtimer Freunden Rottal-Inn zu werden. "Aber schon früher waren wir immer gerne auf den Treffen, um uns die alten Autos anzusehen." Neben dem Käfer und den beiden Zweirädern, hat der Lanzinger auch noch ein Motorrad der Marke BMW und eine KTM, die jetzt bald auch restauriert wird. Was das Tüfteln angeht, so lernt man das mit der Zeit, erzählt er: "Ich hatte viel Unterstützung von Freunden und meinen Onkeln, die sich selbst sehr gut mit Oldtimern auskennen."

 

Als "Lanz-Lui" im Dorf bekannt

PNP stellt die schönsten Oldtimer der Region vor – Zwei Lanz und ein Hanomag stehen in Gangkofen

Madeleine Klee 03.05.2021 | Stand 02.05.2021, 18:03 Uhr

Als
Auch eine 56 Jahre alte NSU Quickly findet man in seiner Garage. Die hat er sich vor ungefähr 20 Jahren angeschafft.

Gangkofen. Wenn Wolfgang Mikonauschke früher mit seinem alten Lanz Glühkopf durch Gangkofen gefahren ist, haben die Leute ihn schon von Weitem gehört und gewusst, dass der "Lanz-Lui" wieder mit seinem klackernden Oldtimer unterwegs ist. "Die haben dann immer geschaut, wenn ich vorbeigefahren bin, und haben freundlich gewunken", erzählt der 60-Jährige.

Ein Auto-Fan war Wolfgang Mikonauschke schon lange, deshalb ist er auch Kfz-Mechaniker geworden. Dann hat er mit 28 Jahren bei einem Bekannten einen alten Lanz Glühkopf in der Garage stehen sehen. "Da dachte ich mir damals schon, so einer wär’s", berichtet der Gangkofener. Der erste Oldtimer in seiner Sammlung war allerdings etwas kleiner, wie er sagt: ein Porsche junior. "Den musste ich erst restaurieren, dann war ich damit auf Bulldog-Treffen", weiß er noch. Den Lanz Glühkopf seines Bekannten vergaß er aber nie. "Also sagte meine Frau irgendwann: "Dann kaufen wir halt einen.‘"

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Mit dem Lanz Glühkopf von 1938 hat sich Wolfgang Mikonauschke einen lang gehegten Traum erfüllt. −Fotos: Klee

Gesagt, getan. Im 600 Kilometer entfernten niedersächsischen Celle wurde er fündig. Dort stand ein 20 PS starker Lanz Glühkopf von 1938. "Der war allerdings in sehr schlechtem Zustand", verrät Wolfgang Mikonauschke. Deshalb musste er diesen sogar mit einem Lkw holen, weil der Lanz nicht mehr ansprang. Für ihn war das aber kein Problem: "Ich sah das als Herausforderung und habe ihn dann ein Jahr lang restauriert." Das Besondere am Lanz Glühkopf: Zum Starten muss die Glühnase, die im Zylinderkopf sitzt, mit einer Lötlampe zum Glühen gebracht werden. Daher kommt auch der Beiname Glühkopf.

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Der blaue Lanz-Volldiesel hat bereits 57 Jahre auf dem Buckel. Alle seine Oldtimer restauriert Wolfgang Mikonauschke selbst.

Weitere alte Bulldogs folgten, wie sein anderer Lanz-Volldiesel von 1955 und ein Hanomag R35, Baujahr 1957. Aber auch eine 56 Jahre alte NSU Quickly findet man in seiner Garage. In seine Oldtimer hat er schon viele hundert Stunden investiert, damit sie gut in Schuss bleiben. Das macht dem Fan aber nichts aus: "Das macht mir Freude, vor allem, wenn man das Vorher und Nachher miteinander vergleicht und sieht, dass sich die Arbeit gelohnt hat."

Als
Ein echter Tüftler: Sogar ein Einrad hat er selbst gebaut.

Und weil dem "Lanz-Lui" das Tüftlen so viel Freude bereitet, hat er sich 1994 kurzerhand dazu entschieden, ein Einrad zu bauen. "Ein solches habe ich mal in einem Technikmuseum gesehen, das war von 1900." Das war damals ein Winterprojekt für ihn: "Das habe ich in drei Monaten fertiggemacht." Allerdings sei das Fahren damit schwerer, als es aussieht: "Da bin ich genau einmal drauf gesessen, da bin ich gleich umgefallen, und seitdem steht es in der Garage", erzählt er und lacht.

Als
Sein Hanomag R35 von 1957 hat 35 Pferdestärken.

Aktuell stehen die alten Traktoren von Wolfgang Mikonauschke in der Garage und warten darauf, bis sie endlich wieder zu einem Oldtimer-Treffen ausgefahren werden. Normalerweise trifft man das Gründungsmitglied der Rottaler Oldtimer-Freunde und der Bulldog-Oldtimer-Freunde Gangkofen bei jeder Veranstaltung – bis Corona kam. "Aus gesundheitlichen Gründen ist das Fahren allerdings schwierig geworden", bedauert Wolfgang Mikonauschke. Trotzdem ist das aber für ihn kein Grund, sich von seinen Schätzen zu trennen: "Zum nächsten Oldtimer-Treffen lasse ich mich dann von meiner Frau chauffieren."

Madeleine Klee

 

 

Einer von 5823

PNP stellt die schönsten Oldtimer der Region vor: Seltener Renault 88 steht in Gangkofen

 Madeleine Klee  20.01.2021 | Stand 19.01.2021, 17:45 Uhr

Einer von 5823 PNP stellt die schönsten Oldtimer der Region vor.

 

Träumte von dem Renault 88 schon als kleiner Bub: Lorenz Wagner. Mit 18 Jahren hat er sich seinen Wunsch erfüllt und den Traktor einem Landwirt in der Nähe abgekauft. −Foto: Klee

Gangkofen. Fast alle kleine Buben sind Fans von ihnen und haben sie im Kleinformat im Zimmer stehen: Traktoren. Lorenz Wagner hat auch einen – der ist aber zu groß fürs Haus und muss deshalb mit dem Hof vorliebnehmen. Dabei ist der Renault 88 von 1970 eine Rarität. Nur 5823 Stück wurden davon hergestellt.

"Gesehen hab’ ich ihn das erste Mal mit 14 Jahren", erinnert sich der Gangkofener. Seitdem wollte er den Traktor haben. "Der hat mir schon immer gefallen", schwärmt er. Mit 18 Jahren schließlich hat sich der 22-Jährige seinen Traum erfüllt. Da hat er den roten Bulldog seinem damaligen Besitzer, einem Landwirt aus der Umgebung, abgekauft. "Der wurde dort nicht mehr gebraucht, stand 30 Jahre lang in der Garage." Bei Lorenz Wagner hat der 51 Jahre alte Traktor wieder ein paar Aufgaben bekommen, beispielsweise transportiert er damit sein Brennholz. Oder macht seinen Neffen eine Freude: "Heuer habe ich sie damit schon auf den Schlitten hinterhergezogen", erzählt er und lacht. So mussten die Buben nicht den Schlittenberg wieder rauf laufen.

Für sein Alter ist der Oldtimer noch ziemlich gut in Schuss. Sollte doch mal etwas repariert werden müssen, legt Lorenz Wagner selbst Hand an. Als ausgebildeter Mechaniker weiß er ganz genau, was zu tun ist, hat schon unzählige Stunden damit verbracht, den Traktor auf Vordermann zu bringen. Wie viele genau, weiß er gar nicht. Das ist aber auch unwichtig – schließlich schraubt er gerne.

Und das liegt in der Familie. Auch sein Vater ist Mechaniker, hat seinen Sohn schon als kleinen Bub mit in die Garage zum Tüfteln genommen. Aber nicht nur das verbindet die Beiden, sondern auch die Liebe zu Oldtimern. Mama Rita und Papa Anton haben ebenfalls zwei alte Traktoren im Hof stehen: einen Renault von 1965 und einen Allgaier-Porsche, Baujahr 1955. Offensichtlich hat das den Geschmack von Lorenz Wagner geprägt. Denn nicht nur privat steht er auf große Fahrzeuge, sondern auch im Beruf: Er ist Busfahrer.

Das Ehepaar Wagner gehört schon seit über 20 Jahren zu den Rottaler Oldtimerfreunden, hat den Verein mitgegründet und ist in der Vorstandschaft aktiv. Sohn Lorenz war von klein auf bei sämtlichen Veranstaltungen mit dabei, ist mit den motorisierten Klassikern quasi aufgewachsen. Besonders schmerzt ihn deswegen, dass im Corona-Jahr kaum etwas los war. "2020 war ich genau bei einem Treffen", sagt er enttäuscht.

Für solche ist ihm allerdings kein Weg zu weit. So war er bereits mit seinem Renault nahe München auf einem "Winter-Bulldog-Treffen". Und das hat gedauert, bis er dort ankam. Der Traktor fährt mit seinen 54 Pferdestärken nur knappe 30 Stundenkilometer. "Da war ich sechs bis sieben Stunden unterwegs", weiß der Oldtimer-Fan noch genau.

Madeleine Klee

Wie der Papa, so die Tochter

Der Rottaler Anzeiger stellt die schönsten Oldtimer in der Region vor: Alois Kirn hat über 50 Oldtimer in seiner Halle

Madeleine Klee 03.06.2021 | Stand 02.06.2021, 18:04 Uhr

Wie der Papa, so die Tochter

Tochter Anna ist auch ein großer Auto-Fan und cruist bereits mit ihren fünf Jahren mit ihrem Rennbuggy im Hof umher.

Hebertsfelden. Die Liebe zu alten Autos hat Alois Kirn schon früh entdeckt – und zwar auf dem Schrottplatz seines Opas in Hochholding. "Da war ich früher als Kind recht oft", erzählt der inzwischen 39-Jährige. Naturgemäß waren es daher häufig alte Rostlauben, die der kleine, neugierige Bub damals auskundschaftete. Für ihn glich der Schrottplatz einem Abenteuerspielplatz, auf dem er immer wieder abgenutzte Schätze fand.

Im weitläufigen Rottal ist man als Jugendlicher quasi auf Mopeds angewiesen, weshalb Teenager Alois auch diese schnell für sich entdeckte. "Mit 18 bekam ich dann mein erstes Auto, einen Polo", erinnert sich der Hebertsfeldener gerne. Von der Marke VW ist Alois Kirn nicht mehr weggekommen, findet man doch einige davon unter seinen Schmuckstücken in der Lagerhalle, beispielsweise den weiß-schwarzen Chatter von 1983. "Den habe ich schon seit 15 Jahren", berichtet der Fan. Mittlerweile zählt er 54 Autos, 14 Mopeds, sieben Motorräder und vier Bulldogs zu seiner Sammlung.

Tochter Anna ist immer mit dabei

Wie der Papa, so die Tochter
Über 50 Oldtimer hat Alois Kirn in seinem Lager stehen. "Als ich letztens alle gezählt habe, bin ich selber kurz erschrocken", gibt der Sammler zu.

Die Leidenschaft für Autos wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Bereits sein Vater war Mechaniker, wie sein Sohn heute auch. Der ist sogar Meister seines Handwerks und das färbt schon jetzt auf seine Tochter Anna ab. Die Fünfjährige hat freilich selbst noch keinen Oldtimer, cruist aber jetzt schon wie ein Profi mit ihrem Rennbuggy mit Elektromotor im Hof umher. Wenn Papa Alois in der Garage an seinen Autos schraubt, ist das Mädchen auch immer mit dabei. "Die wächst damit auf", sagt der stolze Papa und lächelt.

Wie der Papa, so die Tochter
Für Tagesausflüge nutzen Papa Alois Kirn und Tochter Anna am liebsten den orangenen Audi 80 von 1976. Diesen hat der Hebertsfeldener vor dem Verschrotten gerettet. −Fotos: Klee

Der hat zwar schon viele Stunden in der Werkstatt verbracht und selbst an seinen Oldtimern Hand angelegt, "meine Freunde Christian und Michi helfen mir aber oft", lobt Alois Kirn. Auch seiner Frau Daniela ist er dankbar: "Ich bin froh, dass die das so mitmacht, wenn wir wieder stundenlang in der Garage stehen." Perfekt müssen die Autos aber seiner Meinung nach nicht werden: "Die haben ja auch schon einige Jahre auf dem Buckel und eine Geschichte zu erzählen." Deshalb mache es ihm nichts aus, wenn da einer mal etwas rostet.

Wie sein orangener Audi 80 von 1976: "Da ist noch der originale Lack dran, nur den Motor und die Bremsanlage habe ich überholt." Einst hat er diesen auf einem Schrottplatz entdeckt und vor dem Verschrotten gerettet. Jetzt sind Papa und Tochter am liebsten mit dem 75 PS starken Audi unterwegs. "Damit machen wir Tagesausflüge", verrät er. Als Mitglied der Rottaler Oldtimer-Freunde sieht man ihn natürlich auch auf den Treffen. Immer mit dabei: Tochter Anna, denn "da ist auch was für Kinder geboten."

Wie reagieren Freunde und Bekannte auf die große Oldtimer-Sammlung? "Die sagen, dass ich spinne", sagt Alois Kirn und lacht. Obwohl er selbst ein wenig erschrak, als er die Autos für den "Rottaler Anzeiger" durchzählte. "Ich dachte eigentlich, dass ich nur so um die 30 habe." Von den alten Schätzen trennen kann er sich nicht. Angebote für ein paar Autos bekomme er immer wieder mal. "Da werden mir auch Summen geboten, wo man eigentlich zuschlagen müsste, aber ich mache es nicht. Wenn sie mal zur Sammlung gehören, gebe ich sie nicht mehr her."

Madeleine Klee

Von der Rennstrecke ins Rottal

PNP stellt die schönsten Oldtimer vor: In der Sammlung von Dieter Keneder befindet sich auch ein 270 PS starker Lotus

Laura Stewart 05.01.2021 | Stand 04.01.2021, 17:26 Uhr

Von der Rennstrecke ins Rottal

Ein seltenes Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg: Dieter Keneder präsentiert stolz seinen Mercedes L1500S Mannschaftswagen aus dem Jahr 1943.

Schönau. "Während andere zum Wirt gehen, bin ich hier in meiner Werkstatt", erzählt Dieter Keneder aus Schönau. Doch das ist keine gewöhnliche, denn in seiner großen Garagenhalle tüftelt und schraubt der 79-Jährige an seinen vier Oldtimern: ein BMW 323i, ein Austin Seven, ein Lotus Seven und – sehr außergewöhnlich – ein Mercedes L1500 S aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Seine Vorliebe gilt aber nicht nur alten Autos. An den Wänden hängen Bilder aus Kindheits- und Jugendtagen, alte Radios aus den 50er Jahren spielen Musik, auf dem Tisch liegen alte Dokumente, Bücher und Schriftstücke umher und im Schrank daneben befindet sich eine beachtliche Plattensammlung. In seiner Halle verbringt Keneder Stunde um Stunde, trifft sich mit Freunden und schwelgt in alten Erinnerungen. Immer mit dabei sein kleiner Hund Sammy.

Von der Rennstrecke ins Rottal 

Bis die letzten Arbeiten fertig sind, muss der BMW 323i noch eine Weile in der Garage stehen. −Fotos: Stewart

Das Liebhaber-Gen für motorisierte Fahrzeuge scheint in der Familie zu liegen. Bereits sein Vater arbeitete als Chauffeur, fuhr in seiner Freizeit leidenschaftlich Motorradrennen und schraubte gerne an allem herum, was einen Motor hatte. Stolz zeigt Keneder die Patenturkunde seines Vaters für "drehbar gelagerte vordere Scheinwerfer", wie es in dieser aus dem Jahr 1929 heißt.

Von der Rennstrecke ins Rottal 

Der weinrote Rennwagen hat 270 PS unter der Haube: Seit 30 Jahren ist der Lotus Seven im Besitz von Dieter Keneder.

Im Jahr 1948 gründete sein Vater das Busunternehmen Keneder, das noch heute im Besitz der Familie ist. "Ich selbst bin eigentlich gelernter Mechaniker. In den 80er Jahren übernahm ich dann den Betrieb. Vor sieben Jahren gab ich es an meinen Sohn weiter", erzählt Keneder. Dieser ist auch selbst gelernter Kfz-Mechaniker und hilft seinem Papa bei den Schraubarbeiten.

Von der Rennstrecke ins Rottal 

"Der kleine Engländer", so nennt Keneder nicht ohne Stolz seinen ältesten Oldtimer. Der Austin Seven stammt dem Jahr 1937.

Seine Leidenschaft für Oldtimer hat sich Keneder schon sehr früh angeeignet. "Bereits als junger Bursche habe ich gerne alte Autos hergerichtet und wieder verkauft." Am längsten in seinem Besitz befindet sich ein BMW 323 i aus dem Jahr 1979. "Ich habe ihn damals von Bekannten gekauft, da war er gerade einmal ein paar Monate alt", erzählt er. Mittlerweile bekam der blaue Benziner eine neue Karosserie und neue Felgen. "Da die Radmuttern kaputt waren, haben wir leere Patronenhülsen verwendet", erklärt er lachend. Aktuell verweilt der BMW mit seinen 143 PS noch auf der Hebebühne, aber heuer im Sommer soll er mit seinem Sechszylindermotor wieder über die Landstraßen fegen.

Der älteste Oldtimer in der Garage ist ein Austin Seven aus dem Jahr 1937. Der "kleine Engländer", wie Keneder ihn liebevoll bezeichnet, birgt gerade einmal 20 PS unter seiner grünen Haube. "Damit fällt man definitiv auf", erzählt er lachend. Vor gut 20 Jahren hat er den Benziner in Wurmannsquick ersteigert. "Er ist einfach sehr nett zu fahren. Mit ihm habe ich immer gerne gemütliche Ausflüge gemacht."

Dagegen stellt sein Lotus Seven ein ganz anderes Kaliber dar. Der ehemalige Rennwagen aus den 70er Jahren wird mit 270 Pferdestärken angetrieben. "Der geht, als wäre es der letzte Tag", merkt er an. Dieses Schmuckstück kaufte Keneder im Jahr 1990 im Bayerischen Wald. "Ich war damals sehr krank und ganze 17 Wochen im Krankenhaus. Ich dachte, jetzt ist es vorbei", erzählt er. Nachdem er sich weitestgehend wieder erholt hatte, erwarb er den kleinen roten Flitzer. "Ich habe den Motor umgebaut und bin dann größere Ausflugstouren, auch in die Berge, gefahren."

Lkw-Cabriolet aus dem Zweiten Weltkrieg

Das größte und vor allem auch geschichtsträchtigste Fahrzeug in seinem Fuhrpark ist ein Mercedes L1500S Lkw-Cabriolet von 1943. "Diese sind ganz selten und es gibt auch kaum noch welche", erklärt er. Seit etwa zehn Jahren ist der Mercedes in Keneders Besitz. "Ich hab ihn vom Auto-Park Auwärter Museum aus Pilsting. Der Leiter hatte mich damals gefragt, ob ich ihn haben will. Und zu so einem Angebot sagt man definitiv nicht nein. Er hat mir außerdem auch sehr gefallen." 2400 Kilogramm bringt der moosgrüne Achtsitzer auf die Waage. Zu Kriegszeiten diente der Fahrzeugtyp als Mannschaftswagen.

"Nach dem Kauf habe ich bei Mercedes nach einer Ersatzteilliste gefragt", erzählt er. "Und tatsächlich haben sie mir diese aus dem Archiv geholt und zugeschickt", freut sich der 79-Jährige. Bislang hat der Tüftler nur Lenkung und Zylinderkopf bei seinem Oldtimer erneuern müssen. Hier und da macht Keneder kleine Spazierfahrten mit dem 60 PS starken Mannschaftsgefährt. Auch als Hochzeitswagen war er schon im Einsatz. "Der Lkw hat nur vier Gänge und ist etwas kompliziert zu fahren, aber das bin ich zum Glück noch von früher gewöhnt", erzählt er lachend.

Laura Stewart

 

 

Ein Manta wie im Film

PNP stellt die schönsten Oldtimer vor: Daniel Holesch ist leidenschaftlicher Opel-Fan

Laura Stewart 11.03.2021 | Stand 10.03.2021, 18:22 Uhr

Ein Manta wie im Film
Daniel Holesch mit seinem detailgetreuen Nachbau des Originalfahrzeugs aus der deutschen Actionkomödie "Manta, Manta" mit Til Schweiger. −Fotos: Stewart

Pfarrkirchen. Inmitten der vielen anderen Opel Mantas steht er: ein detailgetreuer Nachbau des Manta GSI, in dem einst Til Schweiger 1991 in seiner ersten Kinorolle in der Actionkomödie "Manta, Manta" über die Leinwand fegte. Schon seit seiner Jugend ist Daniel Holesch ein leidenschaftlicher Fan dieses Opel Modells. "Meine beiden älteren Brüder sind Manta gefahren, so bin ich damit aufgewachsen", erzählt der gebürtige Erlbacher, Landkreis Altötting.

Bereits mit 15 Jahren kaufte er sich einen Opel Ascona, mit 18 hatte er dann schon vier Opel. "In den 90er Jahren erlebte die Kultszene um den Manta ihren Höhepunkt. Das war genau zu meiner Teenager Zeit", erinnert sich der Sammler. Heute besitzt er 24 Opel Manta. Sie stehen auf seinem Grundstück in Pfarrkirchen. Einige weitere sind in einer Halle außerhalb untergebracht. Zehn der Manta sowie ein Opel Bitter CD, ein Opel Diplomat und einen Ascona behält er für sich, "die anderen sind Handelsware und werden verkauft", so Holesch. Für einen gewöhnlichen Manta beginne der Preis bei etwa 8000 Euro. "Möchte man etwas ausgefallenes, ist man schnell bei 30000 Euro", weiß der Tüftler.

Ein Manta wie im Film

Wie das Original aus dem Film

Ein Manta wie im Film
Ein ganz seltenes Stück ist "die weiße Flotte", ein Manta i2800 aus dem Jahr 1978, den Holesch gerade restauriert. Von dem Sondermodell wurden nur acht Stück gebaut.

Seit 2012 lebt der gelernte Schlosser mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Pfarrkirchen. "2010 bauten wir die Werkstatt für die Autos, 2012 war dann das Haus auch fertig", erzählt der 38-Jährige.

Bislang besaß Holesch schon 220 B-Mantas und neben einigen seltenen Modellen findet sich in seiner Sammlung auch sein Nachbau des "Filmrochens". 2007 hatte er den Manta GSI aus dem Jahr 1987 gekauft. "Unter der Motorhaube befindet sich ein 3,6 Liter Motor mit 236 PS", sagt Holesch. Bereits 2008 war der Flitzer fertig restauriert, da Ersatzteile keine Mangelware sind.

Die Benetton-Folien an Tacho, Lenkrad und Schaltknauf sind charakteristisch für den Film-Manta.

Der Manta entspricht so gut es geht dem Original. "Die Innenausstattung ist genau gleich. Sogar das Lenkrad, der Schaltknopf und der Tacho sind mit bunten Benetton-Folien versehen." Außerdem hat er DW Sportsitze eingebaut. "Die roten Gurte haben mir aber nicht gefallen, so habe ich sie gegen schwarze getauscht." Der Breitbausatz wurde von der Firma Mattig gefertigt. "Er ist der älteste noch existierende Mattig Manta", erzählt er stolz. Peter Mattig persönlich kam 2011 zu Holesch, um die Maße für ein neues Bauteil zu nehmen. Im Gegenzug half Holesch bei den damaligen Opeltreffen in Sulzberg. Veranstaltet hatte dieses die Opelfreunde Obertürken, denen Holesch schon seit ihrem Bestehen 1992 angehört. Außerdem ist er auch schon seit Jahren Mitglied der Oldtimerfreunde Rottal-Inn.

Ein Manta wie im Film
Mit Autogramm von Erich Bitter: der Opel Bitter CD von 1977.

Ein seltenes Stück ist auch sein Manta i2800, 2,8 Liter mit 150 PS. "Davon gab es insgesamt nur 27 Stück. Und dieser hier ist eine Sonderedition, die ‚die weiße Flotte‘ heißt. Davon wurden nur acht gebaut." Daher komme man als Normalsterblicher an ein solches Modell gar nicht mehr heran. "Ich habe sieben Jahre gebettelt und ihn dann als komplette Ruine – er stand seit 1992 – für einen neuwertigen Manta GSI eingetauscht."

Ein Manta wie im Film
Sein Alltagsauto für den Sommer ist ein Opel Diplomat von 1969.

Seit August 2020 ist diese Rarität aus dem Jahr 1978 nun im Besitz von Holesch und wird derzeit auf Vordermann gebracht. "Normalerweise brauche ich in etwa drei Monate, aber hier ist es schwierig mit den Ersatzteilen. Daher dauert es etwas länger." Ziel ist es, den Manta so original wie möglich zu restaurieren.

Sein Opel Diplomat ist aus dem Jahr 1969. "Er hat einen 5,4 Liter V8 Motor mit 230 PS." Seit 2015 steht er bei Holesch und wird als Alltagsauto im Sommer genutzt. "An ihm musste ich bisher nichts machen, er ist original, nur der Motor wurde überholt." Holesch hat ihn damals in Burgkirchen gekauft. "Der Sammler hatte den Diplomat und noch 37 weitere Opel. Nach dessen Tode wurden alle Autos verkauft. Ich habe das Komplettpaket gekauft, den Diplomat behalten und alle anderen weitergegeben."

Mit Autogramm von Erich Bitter

Seit 2014 ist auch ein Bitter CD (steht für Coupé Diplomat), aus dem Jahr 1977 in seinem Besitz. Insgesamt wurden nur 395 Stück gefertigt. Der grüne Oldtimer hatte damals einen Getriebeschaden. "Ich habe alles komplett neu gemacht." Auf was Holesch besonders stolz ist: Der ehemaliger Rennfahrer und Autodesinger hat den grünen Opel signiert.

Laura Stewart

Genussfahrten im Hausfrauen-Porsche

PNP stellt die schönsten Oldtimer der Region vor – Ein Karmann-Ghia Cabrio von 1966

Franz Gilg 03.11.2020 | Stand 02.11.2020, 19:28 Uhr

 

Genussfahrten im Hausfrauen-Porsche, PNP stellt die schönsten Oldtimer der Region vor – Ein Karmann-Ghia Cabrio von 1966
Reinhold Kaufmann am Steuer seines Karmann-Ghia Cabrio, den er im Jahr 2002 erworben und dann aufwendig restauriert hat. Der Wagen besitzt jetzt wieder seine Originalfarbe. −Foto: Gilg

Zimmern. Bei den Kaufmanns in Bernatzöd stehen gleich mehrere Oldtimer in der Garage oder unter einem schützenden Dach. Paradestück und Senior unter ihnen ist ein Karmann-Ghia Cabrio, Baujahr 1966. Flott sieht er aus, sportlich. Doch der Schein trügt, denn im Prinzip handelt es sich um ein Auto für Genussfahrer.

Reinhold Kaufmann, 56 Jahre, gelernter Kfz-Mechaniker und Lackierermeister, ist Mitglied bei den Rottaler Oldtimerfreunden und Inhaber einer Kfz-Werkstätte. Sein Vater hatte sich dieses Modell in der Coupé-Variante als erstes Auto gekauft. 1964 war das. "Mein Geburtsjahr. Das Auto kannte ich also von klein auf." Und so etwas vergisst man nicht.

Etwa um die Jahrtausendwende herum reifte in Reinhold Kaufmann die Idee, sich selbst mal so ein Modell als Oldtimer zuzulegen. Durch ein Inserat im Internet wurde er schließlich fündig. In Wiesbaden bot jemand einen Karmann-Ghia an. "Wir fuhren hin, sahen ihn uns an und haben ihn gleich mitgenommen, weil alles gepasst hat." Allerdings war das Cabrio in einem altersgemäßen Zustand – zwar noch fahrbereit, aber immer nur notdürftig soweit zusammengeflickt worden, dass es durch den TÜV kam.

Halbherzig restaurierterRe-Import aus den USAEs handelte sich um ein US-Modell, das in den 1990er Jahren reimportiert wurde und vielen halbherzigen Restaurationsversuchen ausgesetzt war.
Kaufmann hatte den Ehrgeiz, das Auto wieder in einen top Zustand zu bringen. Wie gerade vom Band gelaufen sollte es aussehen – und natürlich in allen Teilen original. Da war es von Vorteil, dass er die Karosseriearbeit von Grund auf richtig gelernt hatte. "Dadurch konnte ich mir hier gut helfen. Es war viel mühevolle Kleinarbeit, denn der Wagen wurde komplett neu aufgebaut."

Im Herbst 2002 begann die Restauration und im Frühjahr 2004 war sie abgeschlossen. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass die Lackierung in Türkis keinesfalls original war. Man hatte den Karmann-Ghia im Laufe der Jahre mehrfach umgespritzt. Schließlich entdeckte der Restaurator unter einem Kotflügel in altdeutscher Handschrift das Wort "kirschrot" – und damit war klar, wie das Cabrio zu Beginn einmal ausgesehen hatte und wie es jetzt wieder aussehen sollte. Kaufmann besorgte sich den passenden Farbton und legte los. "Dieses Rot passt hervorragend zusammen mit den Chromteilen", ist er überzeugt.

Lediglich für die Leder- und Polsterarbeiten benötigte er die Hilfe eines Sattlers, den Rest hat er selbst erledigt. Auch aus dem stillgelegten Auto seines Vaters hat Kaufmann noch ein paar Teile eingebaut, zum Beispiel das herausnehmbare Kofferradio und die Rückleuchten.

Der Motor wurde auf90 PS aufgemotzt. Später wurde noch der Motor aufgemotzt. "Der hatte nur 44 PS und das war mir zu mager. Ich wollte mehr Leistung." Aber einfach einen modernen Motor einbauen, das ging natürlich nicht. Dadurch hätte das Auto nämlich seinen Status als Oldtimer verloren. "Zum Glück fand ich eine Firma, die für historische Fahrzeuge alte Motoren aufbaut. Alle für das H-Kennzeichen nötigen Unterlagen waren vorhanden." Der Motor hat jetzt 1,8 Liter Hubraum und 90 PS. "Er marschiert hervorragend". Laut TÜV schafft der restaurierte Karmann-Ghia Geschwindigkeiten bis 165 km/h. "So richtig ausgefahren bin ich ihn noch nie. Und die Tachonadel geht jetzt ohnehin über die Skala raus." Der Verbrauch auf hundert Kilometer liegt bei neun bis neuneinhalb Liter. Das sei nicht viel für Käfer-Technik.

Denn auch wenn er nicht so aussieht: Der Wagen ist genetisch ein VW-Käfer. Achse, Getriebe, Motor und Bodenplatte sind fast identisch mit diesem Kultauto. Hinten befinden sich der Motor und ein aufmontierter Nostalgie-Reisekoffer aus Leder, vorne ist der geräumige Kofferraum.

Wie gesagt, es handelt sich um kein sportliches Fahrzeug. "Eher um einen Cruiser, ein Komfortauto, ein sehr angenehmes Reisefahrzeug", beschreibt es der Kfz-Meister. Fahren dürfen das Cabrio nur er oder seine Frau Ingrid. "Aber die lässt sich lieber chauffieren. Wir unternehmen meistens Genussfahrten und besuchen Oldtimertreffen. Heuer waren wir mit dem Karmann-Ghia im Urlaub am Wolfgangsee. Eine sehr schöne Reise bei bestem Wetter."

"Unser Karmann ist kein seltenes Stück, aber bei vielen Oldtimertreffen das Fahrzeug der Herzen", erzählt seine Frau. "Die Besucher erinnern sich nur zu gern an den Sekretärinnen-Porsche. Und so entwickeln sich sehr schöne Gespräche und es freut uns immer wieder, wenn uns die Leute ihre Geschichten erzählen. Wir waren öfter in Fürstenfeldbruck zum Concours d‘Elegance eingeladen, eine besondere Auszeichnung, da hier nur wirklich schöne Stücke im Klostergarten präsentiert werden. Letztes Jahr waren wir in Germering beim Oldtimertreffen. Tja, und dieses Jahr kam leider Corona." Doch das sei nicht schlimm, denn selbst bei den privaten Ausflugsfahrten finde man mit diesem nostalgischen Cabrio immer schnell Freunde.

INFODer VW Karmann-Ghia (Typ 14) ist ein Automobil des Volkswagenwerks, das bei Karmann in Osnabrück gebaut wurde. Insgesamt 443466 Stück (362585 Coupés und 80881 Cabriolets) konnte Volkswagen zwischen 1955 und 1974 absetzen. In der Zeit von 1964 bis 1970 wurden jährlich über 30000 Fahrzeuge produziert. 61 Prozent davon verkaufte VW in den USA. Auch wenn der "kleine" Karmann-Ghia in Deutschland oft als "Hausfrauen-Porsche" und "Sekretärinnen-Ferrari" tituliert wurde: Das Auto sieht zwar aus wie ein Sportwagen, war aber mit anfänglich 30 PS (22 kW) und 118 km/h Spitzengeschwindigkeit weit entfernt von sportlichen Rekorden.

Franz Gilg

Franz Gilg

 

Das "Erdbeerkörbchen" gehört zur Familie

PNP stellt die schönsten Oldtimer vor – Heute: Stefan Hüttinger hat ein Golf I Cabrio

 Laura Stewart  25.01.2021 | Stand 24.01.2021, 18:56 Uhr

Das
Stolz präsentieren Stefan und Anja Hüttinger ihr "Erdbeerkörbchen". Tochter Laura (11) freut sich schon jetzt auf ihre erste Solofahrt mit dem roten Golf I Cabrio. −Fotos: Stewart

Bad Birnbach. Ein absoluter Hingucker ist das Golf I Cabrio der Familie Hüttinger. Aktuell steht es eingewintert auf einem Hof in der Nähe von Bad Birnbach, nicht weit entfernt vom Wohnort der Besitzer. Doch im Frühjahr wird der Oldie wieder über die Straßen fegen. Besonders begeistert ist auch Tochter Laura von dem roten Familienmitglied, welches liebevoll "Erdbeerkörbchen" genannt wird. "Wenn wir im Sommer zum Baden fahren, dann schauen immer alle Leute unser Auto an", erzählt die Elfjährige.

Oldtimer haben Stefan Hüttinger schon immer fasziniert. "Angefangen habe ich mit einem Motorrad der Marke BSA aus dem Jahr 1967. Aber für das ständige Schrauben fehlte mir dann durch meine Arbeit als Notfallsanitäter die Zeit. Außerdem bin ich noch selbstständig mit einem Reifenhandel." Einziges Überbleibsel ist ein 200 ccm Vespa Roller aus den 80er Jahren.

Das
Auch innen ist noch alles gut erhalten, nur die Sitze wurden neu aufgearbeitet und mit Leder und Kunstleder überzogen.

Doch auf diesem fehlte es wohl an Platz für die vierköpfige Familie. So begaben sie sich auf die Suche nach einem etwas größeren Gefährt.

"Reparaturen sind nurselten notwendig"

"Wir wollten auf jeden Fall ein Cabrio und es sollte eben Platz für uns alle vier haben. Da waren wir in unserer Suche natürlich eingeschränkt", erzählt der 45-Jährige. Zur Auswahl blieben dann nur ein BMW, ein Audi oder ein VW. "Der BMW E30 ist meist unbezahlbar oder stark verschraubt und die Cabriolets von Audi waren meist noch zu jung. Also entschieden wir uns für einen VW. Da kenn ich mich auch aus, weil ich früher nur VW gefahren bin."

Fündig wurde Hüttinger in Rosenheim. "Das Cabrio gehörte 24 Jahre lang einer älteren Dame, die das Auto an einen benachbarten Autohändler verkaufte. Leider wurde das Originalverdeck von Unbekannten zerstört. Im Februar 2012 erwarben wir dann den Golf mit einem neuen Verdeck."

Der rote Flitzer wurde im Jahr 1988 das erste Mal zugelassen. Da VW damals keine Cabrios baute, wurde der Golf bei Karmann in Osnabrück produziert. "Es ist ein 1,8 Liter Motor mit 95 PS", sagt Hüttinger. Nach dem Kauf hat der Familienvater dann selbst die Technik, sämtliche Filter und den Zahnriemen überholt. "Mit mehreren Litern Wachs und Fett haben wir das gesamte Auto versiegelt. Außerdem haben wir die Sitze aufgearbeitet und neu mit Leder und Kunstleder überzogen." Weiter hat der Bastler neue Felgen sowie neue Reifen aufgezogen und einen Sportauspuff installiert. "Uns war es sehr wichtig, ein alltagstaugliches Auto für uns alle zu haben. Seit 2018 haben wir auch ein H-Kennzeichen." Gefahren wird der Oldtimer aber nur von April bis Oktober, dafür dann aber fast täglich. "Er ist also ein sogenannter Dailydriver."

Mittlerweile sind aber auch an dem in die Jahre gekommenen Oldie einige Gebrauchsspuren zu erkennen. "Eine Delle hier und da, aber das ist normal. Auch wir haben nämlich ein paar Schrammen und Narben dazu bekommen", erzählt er lachend. Nichtsdestotrotz ist der Golf ein sehr zuverlässiges Gefährt. "Reparaturen sind nur selten notwendig und wenn, dann kann man das alles selbst erledigen"so Hüttinger. Vorteil des VW sei, dass man auch heute noch gut an Ersatzteile herankomme. "Das Angebot ist groß, aber billig sind solche Teile natürlich nicht."

Hauptsache ist jedoch, dass das Fahren Spaß macht. "Und dieser nimmt nicht ab, denn mit 95 PS bei 955 Kilogramm Leergewicht – da macht das Fahren richtig Freude. Mit 7,5 bis 8 Liter Verbrauch ist er auch sehr günstig im Unterhalt", betont der Familienvater. Die beiden Töchter, Laura (11) und Hannah (13), können ihre erste eigene Fahrt mit dem "Erdbeerkörbchen" schon jetzt kaum erwarten. "Dieses Auto wird uns hoffentlich nie mehr verlassen. Es wäre wirklich das Letzte, was wir verkaufen würden. Für uns hat er einen ideellen Wert, er ist einfach ein Familienmitglied."

Laura Stewart

Mit dem "Hühnerschreck" zu den Kühen

PNP stellt die schönsten Oldtimer in der Region vor: Gerhard Herold hat eine Rex Bagusat, Baujahr 1952

Teresa Kaiser 21.09.2020 | Stand 20.09.2020, 18:14 Uhr

Mit dem

 

Rex und Alphorn, das gefällt Gerhard Herold – und den Kühen auch. −Foto: Kaiser

Tann. Gerhard Herold (65) schmeißt sich die Tasche mit seinem Alphorn über die Schulter. "Hab ich alles?" Er steigt auf seine Rex Bagusat, Baujahr 1952. Auf den ersten Blick ist das ein charmantes Oldtimer-Fahrrad. Blaues Gestell, silbernes Schutzblech, Klingel. Doch etwas ist anders. Das Rad hat nämlich einen Motor. Gerhard Herold bezeichnet sein Gefährt als "Pedales", sozusagen das heutige E-Bike.

Der Münchner lebt mit seiner Familie seit 35 Jahren in Tann. Lange war er Musiker, sein Sohn ist Künstler. Jetzt ist Herold sein Manager. "Wir sind eine verrückte Familie", sagt er lachend. Gerhard Herold fällt auf, wenn er unterwegs ist. Mit roter Brille, rotem T-Shirt, Lederhose und Wollsocken schießt er mit seinem "Ped" Richtung Denharten. Seine Haare sind zu einem Zopf zusammengebunden
Maximal 25 Stundenkilometer. Maximal 25 Stundenkilometer schnell darf das Rad gehen. Wie aus einem Comicheft entsprungen sieht Herold aus mit dem großen Alphorn auf dem Rücken und dem kleinen Rad.

Auf einer Landstraße geht es vorbei an alten Höfen und Neubauten, Apfelbäumen und Maisfeldern. Benzingeruch liegt in der Luft, monoton rattert das Rad. Bergab macht er den Zweitaktmotor aus, lässt das Ped rollen. Herold klingelt, grüßt seine Nachbarin, die spazieren geht. Kühe grasen auf der Weide, dort hält er an.

Ein Freund hat ihn damals neugierig auf das Pedales gemacht. Dieser habe in einem Münchner Keller immer an seinen Rädern herumgeschraubt. "Dann hab ich gesagt: Sowas brauch ich auch." Für 1000 Mark hat sich Herold im Jahr 1995 die Rex Bagusat gekauft.

Eine alte Dame habe ihm erzählt, dass man die Dinger früher "Hühnerschreck" genannt hat. Sie habe sich sehr gefreut, als sie ihn damit gesehen hat, hatte den Klang noch im Ohr. "Es geht alles über die Ohren", sagt Herold. Auch Katzen scheuen das Rad, hat er festgestellt. "Aber Rehe bleiben stehen." Warum weiß er nicht. Vor kurzem wollte er das Ped verkaufen, fünf Jahre lang stand es nur auf dem Dachboden. "Und zum Stehen ist es zu schade." Jetzt ist es wieder angesprungen – und Herold gibt es nicht mehr her. "Weil es so schön ist, weil es Spaß macht." Das ist sein Ausgleich.

Keine Elektronik, das mag er Er liebt die Natur, das Ursprüngliche. Deshalb ist er ein Fan von seinem Gefährt. Keine Elektronik, das mag er. Auch die Geschichte der Hersteller gefällt Herold. Inhaber der Rex-Motorenwerke in München waren die Brüder Erich und Kurt Bagusat. "Die haben ihr Unternehmen verloren, weil sie auf der Rennbahn ihr Geld verwettet haben."

Als Gerhard Herold mit seinem Ped bei den Kühen anrollt, zeigen sich diese erst wenig beeindruckt. Auf der ganzen Wiese verteilt grasen sie gelassen weiter. Herold steigt ab, nimmt das Alphorn aus der Tasche und baut es zusammen. Dunkelblau lackiert ist es, bemalt mit Blumen und einem Spruch von seinem Sohn: "If you can dream it, you can do it" – Wenn du es träumen kannst, kannst du es tun. "Kumm, Keibe, kumm", schreit Herold und stellt sein Alphorn an der Kuhwiese auf. Er bläst kräftig hinein, die tiefen Töne erzeugen ein leichtes Echo. Die Kühe schauen auf, setzen sich langsam in Bewegung. Immer schneller wandern sie den Hang hinauf. Kurz darauf stehen die Kühe im Pulk vor dem Musiker und lauschen seinen Klängen. "Hornvieh reagiert auf Horn", sagt Herold. "Das dankbarste Publikum, das es gibt." Auch auf der anderen Straßenseite stehen die Kühe in Reih und Glied am Zaun und lauschen dem Konzert.

Vor vielen Jahren hat Herold sein Ped auf der Rennbahn in Pfarrkirchen ausgestellt. Er hat sich dort so wohl gefühlt, dass er jetzt den Oldtimerfreunden Pfarrkirchen beigetreten ist. "Das macht schon viel Spaß", sagt er. Aber er selbst ist kein Schrauber. "Das ist mein Manko." Gerhard Herold spielt den Kühen noch ein paar Lieder, packt das Alphorn wieder in die Tasche und fährt mit seiner Rex Bagusat nach Hause.

Teresa Kaiser

 

Ein Mythos unter den Sportwagen

PNP stellt die schönsten Oldtimer vor: Thomas Peters Liebling ist sein Jaguar E-Type Roadster

 Laura Stewart  19.01.2021 | Stand 18.01.2021, 19:10 Uhr

Ein Mythos unter den Sportwagen
Sein ganzer Stolz: Von November bis März steht der Jaguar E-Type Roadster von Thomas Peter für den Winterschlaf in einer Halle. −Fotos: Stewart

    

Triftern. Gut eingewintert steht der Jaguar E-Type Roadster von Zahnarzt Thomas Peter in einer Halle in der Nähe von Bad Birnbach. Bis März verbringt der rote Sportwagen hier seinen verdienten Winterschlaf. Er ist der Liebling von Eigentümer und Autofreund Peter, der neben dem Jaguar auch noch einige weitere Oldtimer in seinem Besitz hat.

Die Begeisterung für alte Fahrzeuge hat Peter schon von seinem Vater übernommen. "Er war verrückt nach Autos und hatte selbst eine Werkstatt und ein kleines Geschäft. Er war aber immer dem Stern, also der Marke Mercedes treu. So bin ich quasi in der Werkstatt aufgewachsen." Mit 20 Jahren hat sich Peter dann den Traum seines ersten Autos erfüllt. "Mein Budget war beschränkt, aber es sollte unbedingt ein Cabrio sein. Ohne mich vorher informiert zu haben, habe ich dann einen Triumph Spitfire gekauft." Danach folgte der erste Range Rover und ein 911er Porsche. "Der Range Rover hat so viel Benzin geschluckt, dass man ihn kaum an der Tankstelle auftanken konnte", meint er lachend. Während seines Studiums verdiente sich der damals angehende Zahnarzt etwas Geld dazu. Er kaufte alte Autos, richtete sie her und verkaufte sie dann wieder. "Nachdem dann aber das Arbeitsleben begann, fehlte mir die Zeit, um an ihnen zu tüfteln. So schlief das alles ein", erzählt der 56-Jährige.

Ein Mythos unter den Sportwagen
Viele Anzeigen und Knöpfe: An Ausstattung fehlt es dem Sportwagen aus dem Jahr 1970 nicht.

Nach dem Tod seines Vaters erbte Peter drei alte Mercedes, die er auch noch heute hat. "Ich hoffe die S-Klasse bald auf die Straße zu bringen." Nachdem er 2013 den Oldtimerfreunden Rottal-Inn beitrat, brach das Autofieber wieder gänzlich aus. So suchte er gezielt nach einem Jaguar E-Type, ein Sportwagen, den wohl fast jeder Autosammler gerne in seinem Besitz hätte, weiß er. "Schon Frank Sinatra sagte, als er den Jaguar E-Type zum ersten Mal sah, dass er dieses Auto will und zwar sofort." 2015 wurde er fündig und kaufte seinen Jaguar E-Type Roadster aus dem Jahr 1970. "Ich habe im Internet gesucht und ihn in München gefunden. Der Besitzer war Zahntechniker und ich Zahnarzt. Da hatten wir zugleich eine Verbindung." Das Auto war überholt und sehr gepflegt. "Der Besitzer hat vieles an ihm gemacht", so Peter: "Vielleicht hat er ihn sogar zu sehr geschont. Wenn man mit so alten Autos zu wenig fährt, entstehen Standschäden. So bin ich zugleich auf der Rückfahrt stehengeblieben. Udo Rosai von den Oldtimerfreunden musste mich abschleppen", erzählt er lachend.

 

Den Fauxpas nahm er aber mit Humor, denn einen Jaguar zu besitzen sei immer so eine Sache, meint der Sammler. Man wisse nämlich nie, ob er heute fährt. "Aber sie sind einfach sehr besonders, haben eine fantastische Kurvenlage und ein tolles Fahrwerk. Außerdem ist der Motor unkaputtbar." Ein großer Nachteil ist, dass die Technik umständlich verbaut ist. "So befinden sich die Bremsscheiben innen an der Achse und um die Batterie auszubauen braucht es zwei Leute. Man kommt nicht ran." Bei größeren Eingriffen müsse man sogar die Motorhaube ganz abnehmen, da einfach zu wenig Platz sei. " Schon früher wurden die Engländer immer belächelt, weil sie keine gute Produktqualität haben." Standardmäßig hat man beim Jaguar auch die originale Technik der Firma Lucas gegen die Firma Bosch getauscht, weiß der Zahnarzt.

Mit seinem Jaguar nimmt Peter auch gerne an Oldtimerralleys teil. "Das sind Gleichmäßigkeitsprüfungen. Der Jaguar ist dafür wahrscheinlich nicht sonderlich geeignet, aber für mich muss er es trotzdem immer wieder sein." Für seine Ralleys fährt der Autosammler auch gerne in seine Heimatstadt Regensburg. "Das schöne ist, es sind Tagesveranstaltungen. Außerdem sind sie immer sehr gut organisiert und Regensburg ist einfach eine wunderschöne Stadt." Ebenso in Pfarrkirchen fährt er gerne mit. "Das ist immer eine riesen Gaudi", so Peter.

Aber auch wenn sein Jaguar kein sonderlich zuverlässiger Gefährte sei, so könne Peter mit neuen Autos einfach nichts anfangen. "Ich habe zwar ein Winterauto, aber da ist es mir sehr egal welches ich fahre, denn die Neuen funktionieren alle gleich." Bei Oldtimern hingegen wisse er genau, was er möchte. "Jeder fährt sich unterschiedlich und man hat immer ein anderes Fahrgefühl. Aber man muss sich darauf einstellen und mit dem Kopf dabei sein. Oldtimer sind wie wilde Pferde, die dich abwerfen, wenn du nicht bei der Sache bist."

Das stellt aber eben den Reiz für Peter da, denn wenn man ein "Fahrzeug will, das funktioniert, kann man auch ein Neues fahren." Und so ist es auch mit seinem E-Type. "In guten wie in schlechten Zeiten, denn wahre Liebe hält es aus, auch wenn nicht alles perfekt ist", meint der Autoliebhaber.

Laura Stewart

Schnelle Flitzer für die Rennbahn

PNP stellt die schönsten Oldtimer vor: Armin Voggenreiter aus Triftern sammelt alte Bahnsport-Motorräder

Christiane Vogl 07.09.2020 | Stand 06.09.2020, 20:20 Uhr

Schnelle Flitzer für die Rennbahn Pressebericht PNP vom 06-09-2020

Besitzt mittlerweile 20 alte Motorräder: Armin Voggenreiter (56) hat eine Schwäche für die schnellen Zweiräder und sammelt sie bereits seit über 35 Jahren. −Fotos: Vogl/Red

Triftern. Wer denkt, dass auf einer Trabrennbahn nur Pferde ihre Geschwindigkeit unter Beweis stellen können, täuscht sich. Denn hier auf dem sandigen Untergrund zogen auch Motorräder beim sogenannten Bahnsport ihre Runden. Und das sogar auf besonderen Gefährten, welche die Fahrer extra für diesen Sport zusammensetzten.

Begeisterung für Bahnsport war immer da. Dass Armin Voggenreiter Motorräder liebt, ist bereits vor seiner Bäckerei in Triftern erkennbar: Hier ziert eine selbst zusammengebaute alte Maschine als Dekoration den Schuppen, in dem weitere Zweiräder des 56-Jährigen beherbergt sind. Sorgfältig davor aufgestellt sind drei besondere Modelle, die sich in ihrem Äußeren deutlich von anderen Motorrädern unterscheiden: Kein Tacho, keine Bremsen, kein Getriebe und eine leichte und dünne Verkleidung sind Besonderheiten, die sofort ins Auge stechen.

Schnelle Flitzer für die Rennbahn Pressebericht PNP vom 06-09-2020

Passend zum Job ziert die Brezel das klassische Sandbahn-Gefährt.

Doch hierbei handelt es sich nicht etwa um Restaurations-Fehler, denn diese Gefährte hatten nur eine einzige Aufgabe: schnell sein. Um diese zu erfüllen, wurden sie beim sogenannten Bahnsport eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine besondere Form des Motorradsports , bei der entweder auf kurzer oder langer Bahn auf einer ovalen Strecke gefahren wird.

Schnelle Flitzer für die Rennbahn Pressebericht PNP vom 06-09-2020

Optimal für die Rennbahn: Der gebogene Lenker ist typisch für die Vorkriegszeit.

Was die Zweiräder für diesen Sport besonders macht, erklärt Armin Voggenreiter, der schon lange eine Schwäche für diesen Sport hat: "Die Motorräder hatte damals jeder selber zusammengestellt. Je geschickter so eine Maschine zusammengebaut wurde, desto besser ist sie auch gefahren. Deshalb war es wichtig, gute Einzelteile zu verwenden."

Gute Einzelteile finden sich auch bei seinen Maschinen, auf die der gelernte Bäcker sichtlich stolz ist. Bei seinem Lieblingsstück handelt es sich um die knallrote Bergsteiger aus dem Jahr 1929. Sie könnte so einiges erzählen, denn auf der Rennbahn hat sie bereits viel erlebt: "Sie gehörte einst dem Niederbayer Karl Marxreiter, der mit ihr sogar im Jahr 1949/50 deutscher Meister wurde. Auch auf der Pfarrkirchner Trabrennbahn war sie schon unterwegs", erzählt Voggenreiter, der sich gern über die Geschichte des Bahnsports informiert. Das erste mal erblickt hatte er die Maschine sie in einem Museum am Attersee.

Auf Anhieb gewann sie seine Aufmerksamkeit und für den 56-Jährigen stand fest: "So eine wollte ich schon immer haben." Wie der Zufall es will, machte ihn ein Freund darauf aufmerksam als sie letztlich zum Verkauf stand. So landete sie bei Voggenreiters Schätzen, und ist bei dem Motorrad-Liebhaber in guten Händen.

Ihr roter Rahmen ist extra für den Bahnsport gebaut worden, auch beim Motor handelt es sich für damalige Zeiten um ein besonderes Exemplar: "Hier ist ein Rudge-Motor eingebaut, welcher damals der schnellste erhältliche Motor war, weil die Vierventiltechnik den meisten anderen Rennmotoren überlegen war."

"Der Lenker ist typisch für die Vorkriegszeit, denn dieser wurde damals noch gebogen, um ihn passend für seinen Fahrer einzustellen", wie Voggenreiter weiß. Allerdings ist sie ohne zusätzliche Verstärkungsrohre, hat aber die damals übliche Trapezgabel mit dem einstellbaren Reibungs- Lenkungsdämpfer.

Selber gefahren ist er die Maschine noch nie, was allerdings ohne Bremsen auch mit einigen Risiken verbunden wäre. "Jedoch habe ich die Erlaubnis meiner Frau, sie ins Wohnzimmer zu stellen", lacht Voggenreiter. Das wäre nicht einmal zum Leidwesen seiner Gattin, denn auch sie teilt seine Leidenschaft und unternimmt mit ihrem Mann gerne gemeinsame Touren. Zum Fahren eignen sich seine Rennmaschinen jedoch weniger, auch aufgrund ihrer fehlenden Ausstattung. "Es braucht gute Nachbarn, die das mitmachen, weil die Motorräder keinen Schalldämpfer besitzen", lacht er.

Neben dem roten Flitzer steht eine blaue Maschine, bei der es sich um ein klassisches Motorrad für die Sandbahn handelt. Die Brezel, die auf dem Rahmen klebt, fällt gleich auf. "Der Aufkleber ist damals noch von unseren Lieferwägen übrig geblieben und da dachte ich mir, es ist ja passend zum Beruf", schmunzelt der Familienvater. An der Federung erkenne man, ob es sich um eine Maschine für die Lang- oder Kurzbahn handelt. Denn besitzt das Rennrad keine, sei sie für die Kurzbahn geschaffen.

Dass er so viel über seine Motorräder weiß, liege daran, dass er gerne über den Sport lese und so viel über die lokalen Fahrer erfahre. So konnte er bereits einige Fahrer treffen, die ihm dann mehr über den Sport und ihre Karriere erzählten. "Das ist dann meistens ein Türöffner, um an neue Maschinen zu kommen oder mehr über die Geschichte in der Region zu erfahren."

Erste Maschine auf dem Schrottplatz gefunden. Dass sich bei dem gelernten Bäcker eine Liebe für Motorräder und den Rennsport entwickelt zeichnete sich schon früh ab: Mit 13 Jahren entdeckte er seine erste Maschine auf einem Schrottplatz in Anzenkirchen. Es handelte sich um ein Mofa der Marke DKW, welches er bei einem Nachbarn schweißen und wieder herrichten durfte. Schon damals fuhr er – zwar unerlaubter Weise – einige Runden und wurde gleich Feuer und Flamme.

Die Liebe für das Schrauben und Basteln kam erst mit 19, hält sich aber bis heute: "Ich sammle nun schon seit 35 Jahren Motorräder und baue auch gerne selber welche zusammen oder gestalte sie um", sagt er, während er die Maschinen in seinem Schuppen präsentiert. Hier stehen einige umgebaute Motorräder, die durch ihre besondere Gestaltung auffallen, wie eine alte BMW aus den 70ern, die durch ihre knalligen Farben auffällt. Doch da im kleinen Schuppen schon lange kein Platz mehr für die Sammlerei des 56-Jährigen ist, hat er sich mit Freunden eine Halle gemietet, um dort weitere Schätze unterzubringen. Mittlerweile besitzt er 20 alte Maschinen, die der Trifterner hegt und pflegt. Auf die Frage, ob er seine Motorräder wieder hergeben würde, um so Platz zu schaffen, antwortet er ganz klar: "Vermutlich kann man die Rennmaschinen gar nicht leicht verkaufen, aber das würde ich auch nie."

Christiane Vogl

 

 

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