Von der Rennstrecke ins Rottal

PNP stellt die schönsten Oldtimer vor: In der Sammlung von Dieter Keneder befindet sich auch ein 270 PS starker Lotus

Laura Stewart 05.01.2021 | Stand 04.01.2021, 17:26 Uhr

Von der Rennstrecke ins Rottal

Ein seltenes Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg: Dieter Keneder präsentiert stolz seinen Mercedes L1500S Mannschaftswagen aus dem Jahr 1943.

Schönau. "Während andere zum Wirt gehen, bin ich hier in meiner Werkstatt", erzählt Dieter Keneder aus Schönau. Doch das ist keine gewöhnliche, denn in seiner großen Garagenhalle tüftelt und schraubt der 79-Jährige an seinen vier Oldtimern: ein BMW 323i, ein Austin Seven, ein Lotus Seven und – sehr außergewöhnlich – ein Mercedes L1500 S aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Seine Vorliebe gilt aber nicht nur alten Autos. An den Wänden hängen Bilder aus Kindheits- und Jugendtagen, alte Radios aus den 50er Jahren spielen Musik, auf dem Tisch liegen alte Dokumente, Bücher und Schriftstücke umher und im Schrank daneben befindet sich eine beachtliche Plattensammlung. In seiner Halle verbringt Keneder Stunde um Stunde, trifft sich mit Freunden und schwelgt in alten Erinnerungen. Immer mit dabei sein kleiner Hund Sammy.

Von der Rennstrecke ins Rottal 

Bis die letzten Arbeiten fertig sind, muss der BMW 323i noch eine Weile in der Garage stehen. −Fotos: Stewart

Das Liebhaber-Gen für motorisierte Fahrzeuge scheint in der Familie zu liegen. Bereits sein Vater arbeitete als Chauffeur, fuhr in seiner Freizeit leidenschaftlich Motorradrennen und schraubte gerne an allem herum, was einen Motor hatte. Stolz zeigt Keneder die Patenturkunde seines Vaters für "drehbar gelagerte vordere Scheinwerfer", wie es in dieser aus dem Jahr 1929 heißt.

Von der Rennstrecke ins Rottal 

Der weinrote Rennwagen hat 270 PS unter der Haube: Seit 30 Jahren ist der Lotus Seven im Besitz von Dieter Keneder.

Im Jahr 1948 gründete sein Vater das Busunternehmen Keneder, das noch heute im Besitz der Familie ist. "Ich selbst bin eigentlich gelernter Mechaniker. In den 80er Jahren übernahm ich dann den Betrieb. Vor sieben Jahren gab ich es an meinen Sohn weiter", erzählt Keneder. Dieser ist auch selbst gelernter Kfz-Mechaniker und hilft seinem Papa bei den Schraubarbeiten.

Von der Rennstrecke ins Rottal 

"Der kleine Engländer", so nennt Keneder nicht ohne Stolz seinen ältesten Oldtimer. Der Austin Seven stammt dem Jahr 1937.

Seine Leidenschaft für Oldtimer hat sich Keneder schon sehr früh angeeignet. "Bereits als junger Bursche habe ich gerne alte Autos hergerichtet und wieder verkauft." Am längsten in seinem Besitz befindet sich ein BMW 323 i aus dem Jahr 1979. "Ich habe ihn damals von Bekannten gekauft, da war er gerade einmal ein paar Monate alt", erzählt er. Mittlerweile bekam der blaue Benziner eine neue Karosserie und neue Felgen. "Da die Radmuttern kaputt waren, haben wir leere Patronenhülsen verwendet", erklärt er lachend. Aktuell verweilt der BMW mit seinen 143 PS noch auf der Hebebühne, aber heuer im Sommer soll er mit seinem Sechszylindermotor wieder über die Landstraßen fegen.

Der älteste Oldtimer in der Garage ist ein Austin Seven aus dem Jahr 1937. Der "kleine Engländer", wie Keneder ihn liebevoll bezeichnet, birgt gerade einmal 20 PS unter seiner grünen Haube. "Damit fällt man definitiv auf", erzählt er lachend. Vor gut 20 Jahren hat er den Benziner in Wurmannsquick ersteigert. "Er ist einfach sehr nett zu fahren. Mit ihm habe ich immer gerne gemütliche Ausflüge gemacht."

Dagegen stellt sein Lotus Seven ein ganz anderes Kaliber dar. Der ehemalige Rennwagen aus den 70er Jahren wird mit 270 Pferdestärken angetrieben. "Der geht, als wäre es der letzte Tag", merkt er an. Dieses Schmuckstück kaufte Keneder im Jahr 1990 im Bayerischen Wald. "Ich war damals sehr krank und ganze 17 Wochen im Krankenhaus. Ich dachte, jetzt ist es vorbei", erzählt er. Nachdem er sich weitestgehend wieder erholt hatte, erwarb er den kleinen roten Flitzer. "Ich habe den Motor umgebaut und bin dann größere Ausflugstouren, auch in die Berge, gefahren."

Lkw-Cabriolet aus dem Zweiten Weltkrieg

Das größte und vor allem auch geschichtsträchtigste Fahrzeug in seinem Fuhrpark ist ein Mercedes L1500S Lkw-Cabriolet von 1943. "Diese sind ganz selten und es gibt auch kaum noch welche", erklärt er. Seit etwa zehn Jahren ist der Mercedes in Keneders Besitz. "Ich hab ihn vom Auto-Park Auwärter Museum aus Pilsting. Der Leiter hatte mich damals gefragt, ob ich ihn haben will. Und zu so einem Angebot sagt man definitiv nicht nein. Er hat mir außerdem auch sehr gefallen." 2400 Kilogramm bringt der moosgrüne Achtsitzer auf die Waage. Zu Kriegszeiten diente der Fahrzeugtyp als Mannschaftswagen.

"Nach dem Kauf habe ich bei Mercedes nach einer Ersatzteilliste gefragt", erzählt er. "Und tatsächlich haben sie mir diese aus dem Archiv geholt und zugeschickt", freut sich der 79-Jährige. Bislang hat der Tüftler nur Lenkung und Zylinderkopf bei seinem Oldtimer erneuern müssen. Hier und da macht Keneder kleine Spazierfahrten mit dem 60 PS starken Mannschaftsgefährt. Auch als Hochzeitswagen war er schon im Einsatz. "Der Lkw hat nur vier Gänge und ist etwas kompliziert zu fahren, aber das bin ich zum Glück noch von früher gewöhnt", erzählt er lachend.

Laura Stewart

 

 

Genussfahrten im Hausfrauen-Porsche

PNP stellt die schönsten Oldtimer der Region vor – Ein Karmann-Ghia Cabrio von 1966

Franz Gilg 03.11.2020 | Stand 02.11.2020, 19:28 Uhr

 

Genussfahrten im Hausfrauen-Porsche, PNP stellt die schönsten Oldtimer der Region vor – Ein Karmann-Ghia Cabrio von 1966
Reinhold Kaufmann am Steuer seines Karmann-Ghia Cabrio, den er im Jahr 2002 erworben und dann aufwendig restauriert hat. Der Wagen besitzt jetzt wieder seine Originalfarbe. −Foto: Gilg

Zimmern. Bei den Kaufmanns in Bernatzöd stehen gleich mehrere Oldtimer in der Garage oder unter einem schützenden Dach. Paradestück und Senior unter ihnen ist ein Karmann-Ghia Cabrio, Baujahr 1966. Flott sieht er aus, sportlich. Doch der Schein trügt, denn im Prinzip handelt es sich um ein Auto für Genussfahrer.

Reinhold Kaufmann, 56 Jahre, gelernter Kfz-Mechaniker und Lackierermeister, ist Mitglied bei den Rottaler Oldtimerfreunden und Inhaber einer Kfz-Werkstätte. Sein Vater hatte sich dieses Modell in der Coupé-Variante als erstes Auto gekauft. 1964 war das. "Mein Geburtsjahr. Das Auto kannte ich also von klein auf." Und so etwas vergisst man nicht.

Etwa um die Jahrtausendwende herum reifte in Reinhold Kaufmann die Idee, sich selbst mal so ein Modell als Oldtimer zuzulegen. Durch ein Inserat im Internet wurde er schließlich fündig. In Wiesbaden bot jemand einen Karmann-Ghia an. "Wir fuhren hin, sahen ihn uns an und haben ihn gleich mitgenommen, weil alles gepasst hat." Allerdings war das Cabrio in einem altersgemäßen Zustand – zwar noch fahrbereit, aber immer nur notdürftig soweit zusammengeflickt worden, dass es durch den TÜV kam.

Halbherzig restaurierterRe-Import aus den USAEs handelte sich um ein US-Modell, das in den 1990er Jahren reimportiert wurde und vielen halbherzigen Restaurationsversuchen ausgesetzt war.
Kaufmann hatte den Ehrgeiz, das Auto wieder in einen top Zustand zu bringen. Wie gerade vom Band gelaufen sollte es aussehen – und natürlich in allen Teilen original. Da war es von Vorteil, dass er die Karosseriearbeit von Grund auf richtig gelernt hatte. "Dadurch konnte ich mir hier gut helfen. Es war viel mühevolle Kleinarbeit, denn der Wagen wurde komplett neu aufgebaut."

Im Herbst 2002 begann die Restauration und im Frühjahr 2004 war sie abgeschlossen. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass die Lackierung in Türkis keinesfalls original war. Man hatte den Karmann-Ghia im Laufe der Jahre mehrfach umgespritzt. Schließlich entdeckte der Restaurator unter einem Kotflügel in altdeutscher Handschrift das Wort "kirschrot" – und damit war klar, wie das Cabrio zu Beginn einmal ausgesehen hatte und wie es jetzt wieder aussehen sollte. Kaufmann besorgte sich den passenden Farbton und legte los. "Dieses Rot passt hervorragend zusammen mit den Chromteilen", ist er überzeugt.

Lediglich für die Leder- und Polsterarbeiten benötigte er die Hilfe eines Sattlers, den Rest hat er selbst erledigt. Auch aus dem stillgelegten Auto seines Vaters hat Kaufmann noch ein paar Teile eingebaut, zum Beispiel das herausnehmbare Kofferradio und die Rückleuchten.

Der Motor wurde auf90 PS aufgemotzt. Später wurde noch der Motor aufgemotzt. "Der hatte nur 44 PS und das war mir zu mager. Ich wollte mehr Leistung." Aber einfach einen modernen Motor einbauen, das ging natürlich nicht. Dadurch hätte das Auto nämlich seinen Status als Oldtimer verloren. "Zum Glück fand ich eine Firma, die für historische Fahrzeuge alte Motoren aufbaut. Alle für das H-Kennzeichen nötigen Unterlagen waren vorhanden." Der Motor hat jetzt 1,8 Liter Hubraum und 90 PS. "Er marschiert hervorragend". Laut TÜV schafft der restaurierte Karmann-Ghia Geschwindigkeiten bis 165 km/h. "So richtig ausgefahren bin ich ihn noch nie. Und die Tachonadel geht jetzt ohnehin über die Skala raus." Der Verbrauch auf hundert Kilometer liegt bei neun bis neuneinhalb Liter. Das sei nicht viel für Käfer-Technik.

Denn auch wenn er nicht so aussieht: Der Wagen ist genetisch ein VW-Käfer. Achse, Getriebe, Motor und Bodenplatte sind fast identisch mit diesem Kultauto. Hinten befinden sich der Motor und ein aufmontierter Nostalgie-Reisekoffer aus Leder, vorne ist der geräumige Kofferraum.

Wie gesagt, es handelt sich um kein sportliches Fahrzeug. "Eher um einen Cruiser, ein Komfortauto, ein sehr angenehmes Reisefahrzeug", beschreibt es der Kfz-Meister. Fahren dürfen das Cabrio nur er oder seine Frau Ingrid. "Aber die lässt sich lieber chauffieren. Wir unternehmen meistens Genussfahrten und besuchen Oldtimertreffen. Heuer waren wir mit dem Karmann-Ghia im Urlaub am Wolfgangsee. Eine sehr schöne Reise bei bestem Wetter."

"Unser Karmann ist kein seltenes Stück, aber bei vielen Oldtimertreffen das Fahrzeug der Herzen", erzählt seine Frau. "Die Besucher erinnern sich nur zu gern an den Sekretärinnen-Porsche. Und so entwickeln sich sehr schöne Gespräche und es freut uns immer wieder, wenn uns die Leute ihre Geschichten erzählen. Wir waren öfter in Fürstenfeldbruck zum Concours d‘Elegance eingeladen, eine besondere Auszeichnung, da hier nur wirklich schöne Stücke im Klostergarten präsentiert werden. Letztes Jahr waren wir in Germering beim Oldtimertreffen. Tja, und dieses Jahr kam leider Corona." Doch das sei nicht schlimm, denn selbst bei den privaten Ausflugsfahrten finde man mit diesem nostalgischen Cabrio immer schnell Freunde.

INFODer VW Karmann-Ghia (Typ 14) ist ein Automobil des Volkswagenwerks, das bei Karmann in Osnabrück gebaut wurde. Insgesamt 443466 Stück (362585 Coupés und 80881 Cabriolets) konnte Volkswagen zwischen 1955 und 1974 absetzen. In der Zeit von 1964 bis 1970 wurden jährlich über 30000 Fahrzeuge produziert. 61 Prozent davon verkaufte VW in den USA. Auch wenn der "kleine" Karmann-Ghia in Deutschland oft als "Hausfrauen-Porsche" und "Sekretärinnen-Ferrari" tituliert wurde: Das Auto sieht zwar aus wie ein Sportwagen, war aber mit anfänglich 30 PS (22 kW) und 118 km/h Spitzengeschwindigkeit weit entfernt von sportlichen Rekorden.

Franz Gilg

Franz Gilg

 

Schnelle Flitzer für die Rennbahn

PNP stellt die schönsten Oldtimer vor: Armin Voggenreiter aus Triftern sammelt alte Bahnsport-Motorräder

Christiane Vogl 07.09.2020 | Stand 06.09.2020, 20:20 Uhr

Schnelle Flitzer für die Rennbahn Pressebericht PNP vom 06-09-2020

Besitzt mittlerweile 20 alte Motorräder: Armin Voggenreiter (56) hat eine Schwäche für die schnellen Zweiräder und sammelt sie bereits seit über 35 Jahren. −Fotos: Vogl/Red

Triftern. Wer denkt, dass auf einer Trabrennbahn nur Pferde ihre Geschwindigkeit unter Beweis stellen können, täuscht sich. Denn hier auf dem sandigen Untergrund zogen auch Motorräder beim sogenannten Bahnsport ihre Runden. Und das sogar auf besonderen Gefährten, welche die Fahrer extra für diesen Sport zusammensetzten.

Begeisterung für Bahnsport war immer da. Dass Armin Voggenreiter Motorräder liebt, ist bereits vor seiner Bäckerei in Triftern erkennbar: Hier ziert eine selbst zusammengebaute alte Maschine als Dekoration den Schuppen, in dem weitere Zweiräder des 56-Jährigen beherbergt sind. Sorgfältig davor aufgestellt sind drei besondere Modelle, die sich in ihrem Äußeren deutlich von anderen Motorrädern unterscheiden: Kein Tacho, keine Bremsen, kein Getriebe und eine leichte und dünne Verkleidung sind Besonderheiten, die sofort ins Auge stechen.

Schnelle Flitzer für die Rennbahn Pressebericht PNP vom 06-09-2020

Passend zum Job ziert die Brezel das klassische Sandbahn-Gefährt.

Doch hierbei handelt es sich nicht etwa um Restaurations-Fehler, denn diese Gefährte hatten nur eine einzige Aufgabe: schnell sein. Um diese zu erfüllen, wurden sie beim sogenannten Bahnsport eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine besondere Form des Motorradsports , bei der entweder auf kurzer oder langer Bahn auf einer ovalen Strecke gefahren wird.

Schnelle Flitzer für die Rennbahn Pressebericht PNP vom 06-09-2020

Optimal für die Rennbahn: Der gebogene Lenker ist typisch für die Vorkriegszeit.

Was die Zweiräder für diesen Sport besonders macht, erklärt Armin Voggenreiter, der schon lange eine Schwäche für diesen Sport hat: "Die Motorräder hatte damals jeder selber zusammengestellt. Je geschickter so eine Maschine zusammengebaut wurde, desto besser ist sie auch gefahren. Deshalb war es wichtig, gute Einzelteile zu verwenden."

Gute Einzelteile finden sich auch bei seinen Maschinen, auf die der gelernte Bäcker sichtlich stolz ist. Bei seinem Lieblingsstück handelt es sich um die knallrote Bergsteiger aus dem Jahr 1929. Sie könnte so einiges erzählen, denn auf der Rennbahn hat sie bereits viel erlebt: "Sie gehörte einst dem Niederbayer Karl Marxreiter, der mit ihr sogar im Jahr 1949/50 deutscher Meister wurde. Auch auf der Pfarrkirchner Trabrennbahn war sie schon unterwegs", erzählt Voggenreiter, der sich gern über die Geschichte des Bahnsports informiert. Das erste mal erblickt hatte er die Maschine sie in einem Museum am Attersee.

Auf Anhieb gewann sie seine Aufmerksamkeit und für den 56-Jährigen stand fest: "So eine wollte ich schon immer haben." Wie der Zufall es will, machte ihn ein Freund darauf aufmerksam als sie letztlich zum Verkauf stand. So landete sie bei Voggenreiters Schätzen, und ist bei dem Motorrad-Liebhaber in guten Händen.

Ihr roter Rahmen ist extra für den Bahnsport gebaut worden, auch beim Motor handelt es sich für damalige Zeiten um ein besonderes Exemplar: "Hier ist ein Rudge-Motor eingebaut, welcher damals der schnellste erhältliche Motor war, weil die Vierventiltechnik den meisten anderen Rennmotoren überlegen war."

"Der Lenker ist typisch für die Vorkriegszeit, denn dieser wurde damals noch gebogen, um ihn passend für seinen Fahrer einzustellen", wie Voggenreiter weiß. Allerdings ist sie ohne zusätzliche Verstärkungsrohre, hat aber die damals übliche Trapezgabel mit dem einstellbaren Reibungs- Lenkungsdämpfer.

Selber gefahren ist er die Maschine noch nie, was allerdings ohne Bremsen auch mit einigen Risiken verbunden wäre. "Jedoch habe ich die Erlaubnis meiner Frau, sie ins Wohnzimmer zu stellen", lacht Voggenreiter. Das wäre nicht einmal zum Leidwesen seiner Gattin, denn auch sie teilt seine Leidenschaft und unternimmt mit ihrem Mann gerne gemeinsame Touren. Zum Fahren eignen sich seine Rennmaschinen jedoch weniger, auch aufgrund ihrer fehlenden Ausstattung. "Es braucht gute Nachbarn, die das mitmachen, weil die Motorräder keinen Schalldämpfer besitzen", lacht er.

Neben dem roten Flitzer steht eine blaue Maschine, bei der es sich um ein klassisches Motorrad für die Sandbahn handelt. Die Brezel, die auf dem Rahmen klebt, fällt gleich auf. "Der Aufkleber ist damals noch von unseren Lieferwägen übrig geblieben und da dachte ich mir, es ist ja passend zum Beruf", schmunzelt der Familienvater. An der Federung erkenne man, ob es sich um eine Maschine für die Lang- oder Kurzbahn handelt. Denn besitzt das Rennrad keine, sei sie für die Kurzbahn geschaffen.

Dass er so viel über seine Motorräder weiß, liege daran, dass er gerne über den Sport lese und so viel über die lokalen Fahrer erfahre. So konnte er bereits einige Fahrer treffen, die ihm dann mehr über den Sport und ihre Karriere erzählten. "Das ist dann meistens ein Türöffner, um an neue Maschinen zu kommen oder mehr über die Geschichte in der Region zu erfahren."

Erste Maschine auf dem Schrottplatz gefunden. Dass sich bei dem gelernten Bäcker eine Liebe für Motorräder und den Rennsport entwickelt zeichnete sich schon früh ab: Mit 13 Jahren entdeckte er seine erste Maschine auf einem Schrottplatz in Anzenkirchen. Es handelte sich um ein Mofa der Marke DKW, welches er bei einem Nachbarn schweißen und wieder herrichten durfte. Schon damals fuhr er – zwar unerlaubter Weise – einige Runden und wurde gleich Feuer und Flamme.

Die Liebe für das Schrauben und Basteln kam erst mit 19, hält sich aber bis heute: "Ich sammle nun schon seit 35 Jahren Motorräder und baue auch gerne selber welche zusammen oder gestalte sie um", sagt er, während er die Maschinen in seinem Schuppen präsentiert. Hier stehen einige umgebaute Motorräder, die durch ihre besondere Gestaltung auffallen, wie eine alte BMW aus den 70ern, die durch ihre knalligen Farben auffällt. Doch da im kleinen Schuppen schon lange kein Platz mehr für die Sammlerei des 56-Jährigen ist, hat er sich mit Freunden eine Halle gemietet, um dort weitere Schätze unterzubringen. Mittlerweile besitzt er 20 alte Maschinen, die der Trifterner hegt und pflegt. Auf die Frage, ob er seine Motorräder wieder hergeben würde, um so Platz zu schaffen, antwortet er ganz klar: "Vermutlich kann man die Rennmaschinen gar nicht leicht verkaufen, aber das würde ich auch nie."

Christiane Vogl

 

 

Mit dem "Hühnerschreck" zu den Kühen

PNP stellt die schönsten Oldtimer in der Region vor: Gerhard Herold hat eine Rex Bagusat, Baujahr 1952

Teresa Kaiser 21.09.2020 | Stand 20.09.2020, 18:14 Uhr

Mit dem

 

Rex und Alphorn, das gefällt Gerhard Herold – und den Kühen auch. −Foto: Kaiser

Tann. Gerhard Herold (65) schmeißt sich die Tasche mit seinem Alphorn über die Schulter. "Hab ich alles?" Er steigt auf seine Rex Bagusat, Baujahr 1952. Auf den ersten Blick ist das ein charmantes Oldtimer-Fahrrad. Blaues Gestell, silbernes Schutzblech, Klingel. Doch etwas ist anders. Das Rad hat nämlich einen Motor. Gerhard Herold bezeichnet sein Gefährt als "Pedales", sozusagen das heutige E-Bike.

Der Münchner lebt mit seiner Familie seit 35 Jahren in Tann. Lange war er Musiker, sein Sohn ist Künstler. Jetzt ist Herold sein Manager. "Wir sind eine verrückte Familie", sagt er lachend. Gerhard Herold fällt auf, wenn er unterwegs ist. Mit roter Brille, rotem T-Shirt, Lederhose und Wollsocken schießt er mit seinem "Ped" Richtung Denharten. Seine Haare sind zu einem Zopf zusammengebunden
Maximal 25 Stundenkilometer. Maximal 25 Stundenkilometer schnell darf das Rad gehen. Wie aus einem Comicheft entsprungen sieht Herold aus mit dem großen Alphorn auf dem Rücken und dem kleinen Rad.

Auf einer Landstraße geht es vorbei an alten Höfen und Neubauten, Apfelbäumen und Maisfeldern. Benzingeruch liegt in der Luft, monoton rattert das Rad. Bergab macht er den Zweitaktmotor aus, lässt das Ped rollen. Herold klingelt, grüßt seine Nachbarin, die spazieren geht. Kühe grasen auf der Weide, dort hält er an.

Ein Freund hat ihn damals neugierig auf das Pedales gemacht. Dieser habe in einem Münchner Keller immer an seinen Rädern herumgeschraubt. "Dann hab ich gesagt: Sowas brauch ich auch." Für 1000 Mark hat sich Herold im Jahr 1995 die Rex Bagusat gekauft.

Eine alte Dame habe ihm erzählt, dass man die Dinger früher "Hühnerschreck" genannt hat. Sie habe sich sehr gefreut, als sie ihn damit gesehen hat, hatte den Klang noch im Ohr. "Es geht alles über die Ohren", sagt Herold. Auch Katzen scheuen das Rad, hat er festgestellt. "Aber Rehe bleiben stehen." Warum weiß er nicht. Vor kurzem wollte er das Ped verkaufen, fünf Jahre lang stand es nur auf dem Dachboden. "Und zum Stehen ist es zu schade." Jetzt ist es wieder angesprungen – und Herold gibt es nicht mehr her. "Weil es so schön ist, weil es Spaß macht." Das ist sein Ausgleich.

Keine Elektronik, das mag er Er liebt die Natur, das Ursprüngliche. Deshalb ist er ein Fan von seinem Gefährt. Keine Elektronik, das mag er. Auch die Geschichte der Hersteller gefällt Herold. Inhaber der Rex-Motorenwerke in München waren die Brüder Erich und Kurt Bagusat. "Die haben ihr Unternehmen verloren, weil sie auf der Rennbahn ihr Geld verwettet haben."

Als Gerhard Herold mit seinem Ped bei den Kühen anrollt, zeigen sich diese erst wenig beeindruckt. Auf der ganzen Wiese verteilt grasen sie gelassen weiter. Herold steigt ab, nimmt das Alphorn aus der Tasche und baut es zusammen. Dunkelblau lackiert ist es, bemalt mit Blumen und einem Spruch von seinem Sohn: "If you can dream it, you can do it" – Wenn du es träumen kannst, kannst du es tun. "Kumm, Keibe, kumm", schreit Herold und stellt sein Alphorn an der Kuhwiese auf. Er bläst kräftig hinein, die tiefen Töne erzeugen ein leichtes Echo. Die Kühe schauen auf, setzen sich langsam in Bewegung. Immer schneller wandern sie den Hang hinauf. Kurz darauf stehen die Kühe im Pulk vor dem Musiker und lauschen seinen Klängen. "Hornvieh reagiert auf Horn", sagt Herold. "Das dankbarste Publikum, das es gibt." Auch auf der anderen Straßenseite stehen die Kühe in Reih und Glied am Zaun und lauschen dem Konzert.

Vor vielen Jahren hat Herold sein Ped auf der Rennbahn in Pfarrkirchen ausgestellt. Er hat sich dort so wohl gefühlt, dass er jetzt den Oldtimerfreunden Pfarrkirchen beigetreten ist. "Das macht schon viel Spaß", sagt er. Aber er selbst ist kein Schrauber. "Das ist mein Manko." Gerhard Herold spielt den Kühen noch ein paar Lieder, packt das Alphorn wieder in die Tasche und fährt mit seiner Rex Bagusat nach Hause.

Teresa Kaiser

 

Ein italienischer Hundemagnet

Die schönsten Oldtimer im Landkreis: Karin Schmidbauers Alfa Romeo Giulia strahlt in besonderer Farbe

31.08.2020 | Stand 30.08.2020, 17:52 Uhr

Ein italienischer Hundemagnet Pressebericht PNP 31.08.2020

Besonders die seltene und auffällige Farbe "Bugna" gefällt Karin Schmidbauer an ihrem Alfa Romeo, der trotz Baujahr 1973 aussieht wie neu. −Fotos: Vogl

Eggenfelden. Die Garage der Familie Schmidbauer öffnet sich und sogleich rennt Familienhund Emil auf seinen heiß geliebten Oldtimer zu. Hier steht nämlich Karin Schmidbauers Alfa Romeo Giulia, der mit seiner markanten Farbe sofort ins Auge sticht. Und bei genauerem Betrachten wird auch klar, weshalb sich Beagle und Frauchen so sehr in diesen Oldie verliebt haben. Denn dieser ist wahrlich ein Hingucker.

"Wollte schon immer so einen haben" Bernhard und Karin Schmidbauer sind Autoliebhaber. Insbesondere Oldtimer haben es ihnen angetan und seit 1995 wächst ihre Sammlung stetig an. Ein bestimmtes Modell hatte Karin Schmidbauer schon immer im Auge: den Alfa Romeo Giulia. "Ich liebe diese eckige Form und die großen Fenster", schwärmt sie von dem eleganten Italiener. So machte sie sich gemeinsam mit ihrem Mann auf die Suche nach ihrem Traumauto, was anfangs schwieriger war als gedacht.

Ein italienischer Hundemagnet Pressebericht PNP 31.08.2020

Emil ließ es sich nicht nehmen, mit auf dem Foto seines Lieblingsautos zu sein.

"Wir haben angefangen, in Deutschland zu suchen, weil die Wägen in Italien zu überteuert waren", erzählt Bernhard Schmidbauer. Im Internet seien sie schließlich fündig geworden und konnten den kleinen Flitzer letztlich im März 2018 in Ingolstadt abholen. Gemacht werden musste nichts, denn das Gefährt war bereits in einem Top-Zustand, da er schon vorher restauriert worden war. "Basteln und Herumschrauben wollten wir nicht. Das wäre eine Fass ohne Boden", meint Bernhard Schmidbauer. So besteht der Alfa noch aus seinen Original-Teilen und sieht aus wie frisch vom Band gelaufen. Mittlerweile sind Karin Schmidbauer und ihr 85 PS starker Oldie schon ein eingespieltes Team, obwohl es anfangs einige Dinge gab, an die sich die Eggenfeldenerin gewöhnen musste: "Er besitzt natürlich keine Servolenkung und auch so gibt es nur wenig Knöpfe im Inneren des Wagens. Es braucht einfach etwas Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Ansonsten fährt er sich sehr gut und war motortechnisch seiner Zeit weit voraus, was man auch beim Fahren merkt." Er sei kein Ausstellungsstück, das nur in der Garage steht, sondern im stetigen Gebrauch. Ob zum Einkaufen oder für Ausflüge – er sei immer zuverlässig. Selbst mit dem Wohnmobil-Anhänger der Familie ist er oft unterwegs.

Ein italienischer Hundemagnet Pressebericht PNP 31.08.2020

Im Inneren wirkt alles neu und hochwertig: Viele Knöpfe sucht man hier allerdings vergeblich.

Für Beagle Emil ist der Alfa anziehend. Die einzige Unstimmigkeit, die Bernhard und Karin Schmidbauer bezüglich des Autos haben, ist die doch sehr markante, aber auch seltene Farbe: "Ich liebe diese Farbe. Sie heißt Bugna, also Pflaume, und passt perfekt zu dem Oldtimer. Meinem Mann gefällt sie nicht ganz so sehr, aber es ist ja auch mein Wagen", schmunzelt die Hundeliebhaberin.

Ein italienischer Hundemagnet Pressebericht PNP 31.08.2020

Beagle Emil kann von Fahrten im Oldie nicht genug bekommen.

Am meisten scheint Beagle Emil in den Oldtimer verliebt zu sein, der den Alfa gar nicht mehr aus den Augen lassen möchte. Bewegt sich das Auto, schießt Emil hinterher. "Alle unsere Hunde lieben die Oldtimer, aber für Emil scheint der Romeo regelrecht anziehend zu sein", erzählt Karin Schmidbauer lachend. Im Inneren des Wagens fühlt sich Emil sichtlich wohl und hat darin sogar seinen eigenen Gurt für die Fahrten mit seinem Frauchen. Seinen Stammplatz lässt er sich auch während des Termins mit der Heimatzeitung nicht streitig machen und nimmt wie gewohnt auf der Rückbank Platz.

 

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Adresse: Rottaler Oldtimerfreunde e.V. c/o Udo Rosai Gambacher Weg 13 D - 84347 Pfarrkirchen │ Telefon: 08561 3507 │ E-Mail: mail@rottaler-oldtimerfreunde.de │ Vereinsregister Nummer: 10729 - Amtsgericht Landshut

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